Tausende Tote nach Erdbeben befürchtet

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Tausende Tote nach Erdbeben befürchtet
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„Tausende Menschen wissen nicht wohin“

Blutüberströmte Menschen rannten in Panik auf die Straßen. Unter den Trümmern waren Tote zu sehen. Über Port-au-Prince hingen dichte Staubwolken. „Menschen haben geschrien. Es herrscht das totale Chaos“, berichtete ein Zeuge. Anwohner versuchten panisch, mit bloßen Händen Verschüttete aus den Trümmern zu befreien. Eingeschlossene riefen verzweifelt um Hilfe. Ein Mitarbeiter der amerikanischen Hilfsorganisation „Food for the Poor“ sagte, Hunderte, vielleicht sogar Tausende Menschen seien unter den Trümmern begraben. „Die ganze Stadt liegt im Dunklen“, sagte Rachmani Domersant, „Tausende Menschen sitzen auf der Straße und wissen nicht wohin.“

Der Koordinator der Deutschen Welthungerhilfe in Haiti schließt nicht aus, dass es nach dem Erdbeben Tausende Tote geben wird. „Ich gehe davon aus, dass die Zahl erschreckend hoch sein wird“, sagte Michael Kühn. Er habe in Port-au-Prince Tote und viele Verletzte gesehen. Die Vereinten Nationen teilten mit, sie hätten keine Kenntnis über das Schicksal der meisten ihrer Mitarbeiter, nachdem ein fünfstöckiges Gebäude auf dem Gelände ihres Hauptquartiers eingestürzt sei. In dem Haus seien normalerweise bis zu 250 Menschen tätig.

In dem rund neun Millionen Einwohner zählenden Land sind seit 2004 UN-Friedenstruppen im Einsatz. Die Einheit setzt sich aus rund 7000 Soldaten aus 18 Ländern und 1600 Polizisten zusammen. Den Vereinten Nationen zufolge werden zahlreiche UN-Mitarbeiter in Haiti vermisst. UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon zeigte sich „sehr besorgt“. Bisher gibt es keine offiziellen Angaben über Verletzte oder Tote.

Der haitianische Präsident René Préval und seine Frau überstanden das Erdbeben unbeschadet. Dies bestätigte die First Lady, Elisabeth Debrosse Delatour, nach Angaben Josephs in einem Telefonat. Ihren Angaben zufolge seien aber der Präsidentenpalast und das Handelsministerium in Port-au-Prince beschädigt worden. „Wenn diese (stabilen) Gebäude beschädigt sind, können sie sich vorstellen, was mit all den wackligen Behausungen an den Hängen rund um Port-au-Prince passiert ist.“

Eine Million Euro aus Berlin für die Notversorgung

Das Auswärtige Amt hat eine Million Euro für die Notversorgung der Opfer zur Verfügung gestellt. Außerdem sei ein Krisenstab eingerichtet worden. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte: „Ich bin bestürzt von dem sich abzeichnenden Ausmaß der Erdbebenkatastrophe. Unser Mitgefühl und unsere ganze Solidarität gilt den Opfern der Katastrophe und ihren Angehörigen.“

Der haitianische Botschafter in Berlin, Jean Robert Saget, hat die Deutschen zu schneller Hilfe aufgerufen. Vor allem medizinische Hilfe, Zelte und Lebensmittel würden gebraucht, sagte Saget: „Jede Hilfe ist willkommen im Moment.“ Bis zum Mittwochmorgen sei es ihm noch nicht gelungen, direkten Kontakt nach Port-au-Prince aufzunehmen. „Ich habe es die ganze Nacht versucht, bin aber noch nicht durchgekommen“, sagte der Botschafter. Wie viele Opfer es gegeben habe, könne er noch nicht sagen. „Es sind ganz bestimmt Tausende“, sagte er. „In der Gegend um Port-au-Prince leben zwei Millionen Leute. Wenn dort das Epizentrum war, dann gibt es sehr viele Betroffene.“

Der amerikanische Präsident Barack Obama sagte Haiti volle Unterstützung zu: „Meine Gedanken und Gebete sind bei denen, die von dem Erdbeben betroffen sind.“ Die amerikanische Regierung beobachte die Situation genau und sei bereit, den Menschen auf Haiti zu helfen. In den Vereinigten Staaten liefen bereits die Vorbereitungen für Hilfslieferungen an. Der Flughafen in Port-au-Prince soll noch funktionsfähig sein. Auch Venezuela kündigte an, Rettungsteams nach Haiti zu entsenden.

Haiti gilt als das ärmste Land der westlichen Hemisphäre. Etwa 80 Prozent der Haitianer müssen von weniger als zwei Dollar am Tag leben, die Hälfte der Bevölkerung hat sogar weniger als einen Dollar am Tag zur Verfügung.

Quelle: Faz.net

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Tags: erdbeben haiti

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